Brief von Eduard von Bauernfeld an Anastasius Grün
Wien, am 19. April 1848
 
  Seite 1
 

[Poststempel "Wien 19. Apr"]
["Wien 23. Apr"]
Abzug Neustädtel in Krain
Se. Hochwohlgeb<oren>
Hrn. Alexander Grafen von Auersperg
in
[durchgestrichen: befindet [unleserlich] Hochstrass]
Thurn am Hart
:(in Krain):
[durchgestrichen: über Hochstraß]
[durchgestrichen: vielecht bey Burkersdorf]

 
  Seite 2
 

Lieber Freund!

Der Indiscretion des Herrn Dr. Nolle ka_n ich nur danken, da sie mir ein Lebenszeichen von Dir verschafft. Der Zufall will, daß mich unser Freund Moriz Schwind eben um ein Autographon von deiner Hand ersucht; ich werde ihm daher (in Hoffnung deiner Zusti_mung) deinen Brief nach Frankfurt mit bringen – so ko_mt die Herberstein’sche Theatergeschichte vielleicht in die Hände eines Autographensa_mlers, u. gelegentlich in eine Auction. Das sei unsere Rache! – Meine Abreise (in H. Sichrowsky’s Begleitung) ist vorläufig auf den 8. Mai angesetzt, u. in Frankfurt

 
  Seite 3
 

wollten wir uns erst entscheiden, ob wie Paris oder London zuerst die Ehre unseres Besuches gö_nen. Vermuthlich geht der Rückweg über Italien. Von der Reise hoffe ich wenigstens wieder einige Auf- und Anregung. Gegenwärtig fühl’ ich mich so du_m, als kö_nt ich nie mehr weder einen poëtischen, noch anderen Gedanken fassen. – Die Censur-Sache geht den gewöhnlichen Schlendrian-Weg. Unsere Audienz (Hofrath Jenull, Endlicher u. ich waren das [unleserlich]) bei E. H. Ludwig war komisch genug. Wir versicherten ihn (Jeder in seiner Art) daß Österreich in den gegenwärtigen Verhältnissen das letzte Land des gesa_mten Erdballs sei. –

 
  Seite 4
 

Metternich (trotz des gegentheiligen Berichts der allgem. Zt<ung>) hat uns nicht angeno_men. Die übrigen Herrn ersparten wir uns. Neues ist sonst nichts zu berichten, als daß Du höflich gebethen bist, einen kleinen Beitrag für das Prager Überschwemmungs-Album zu senden – etwa an Frankl, für den Fall als ich bereits abgereist sein sollte.

Unlängst hat das [unleserlich] dem [unleserlich] ein militärisches Abschiedsfest gegeben, wie die Welt vielleicht noch kein ähnliches erlebt. Wir waren alle im [unleserlich]-Soldaten-Costüm mit [unleserlich] u. tanzten unter Anderem eine Quadrille zu Pferd. Wer das nicht gesehen hat, hat nichts gesehen. Die künftige preußische Constitution ka_n unmöglich lächerlicher seyn.

Laß, wo möglich, noch Einmahl von Dir hören – sonst behalte lieb, und bethe, daß die [unleserlich] Krankheit nicht erwische

Deinen
Bauernfeld.

19/4 48.

 
     
  Zurück zu Bauernfeld Zurück zu Anastasius Grün Zurück zu den Projekten