Brief von Eduard von Bauernfeld an Anastasius Grün
Wien, am 25. Februar 1847
 
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[Poststempel "Gratz 2. Mar"]
["Wien 25. Feb:"]
Se.
Herrn Anton Alex. Grafen v. Auersperg
Hochgeboren
im gräflich
Attems’schen Hause.
Gratz
id est Gratz
zu Wien

 
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Lieber Freund!

Meine beiden Kleinigkeiten hab’ ich auf Ersuchen eines Theater-Agenten einem Gratzer Schauspieler zur Ei_nahme überlassen; ich glaube nicht, daß dem [unleserlich] ein Abbruch geschieht, we_n "Großjährig" früher durch Dilettanten als auf der Bühne zur Darstellung ko_mt – im Gegentheil würde die Aufmerksamkeit des größeren Publikums noch mehr auf das Stück gelenkt. Mit Vergnügen stell’ ich es daher dem Herrn [?] [unleserlich] (welchem ich mich indas Gedächtniß zu rufen bitte) zur beliebigen Verfügung.

 
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Dein Auftrag wegen Jos. Doblhoff wird heute noch besorgt werden, da eben unsere Zusa_menkunft statt findet. – Von "Österreich und dessen Zukunft" ist ein 2ter Theil erschienen, welcher hauptsächlich die ständische Frage behandelt. – Man munkelt hier von einer preußischen Note, des Inhalts: "daß man den Forderungen der Zeit nachgeben u. den Weg der Reform einschlagen wolle, ferner [?] auch die Presse befreien wolle – man lade Österreich zur Theilnahme ein, erkläre aber, erkläre aber, daß man auch im Falle der Nicht-Zusti_mung, von dem bego_nenen Maßregeln [?] nicht abstehen könne." –

 
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Qu’en dites vous? Etwas Ähnliches ka_n die preußische Regierung allerdings geschrieben haben – ich weiß aber auch, was die österreichische antworten wird.

Im nächsten Monat hoffen wir Dich zu sehen sa_mt Deiner "frawen", welcher ich die Hände küsse. Beeilt Euch, daß Ihr die Lind noch zu hören beko_mt – auch in der Vielka, was jedenfalls der Mühe lohnt.

<Dein>
Bauernfeld.

25/2 47.

 
     
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