Brief von Eduard von Bauernfeld an Anastasius Grün
Wien, am 17. Jänner 1847
 
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[Poststempel "Wien 20. [unleserlich]"]
Se.
Hrn. Anton Alexander Grafen
v. Auersperg
Hochge<boren>
Gratz.
im gräfl. Attems’
schen Hause.

 
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Lieber Freund!

Dein Unwohlseyn bedaure ich sehr, hoffe aber, daß es leichter Natur ist, und Dein Hieherko_men nicht lange verzögern wird. – Von dem [unleserlich] hab’ ich noch nicht über die Hälfte mit höchstem Interesse gelesen, und finde gleich das Vorspiel mit dem Rosenkranz ganz köstlich. Bis Du ko_mst, will ich das Ganze zwei Mal in mich aufnehmen, um sowohl über den Total-Eindruck als über die Details als Publikum u. Kritiker berichten zu kö_nen. – Das versiegelte [unleserlich] war (wie Alles, was mit dem Postwagen ko_mt) aufgebrochen;

 
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hat also Einer die Nase hinein gesteckt und geplaudert, so ist’s nicht meine Schuld. Von mir erfährt Niemand etwas. –

Schade, daß Du übermorgen (Dienstag) nicht hier bist [?]. Doblhoff u. ich geben unsere 2te Gesellschaft (Dienstag über 14 Tage ist die dritte.) Wir versa_meln Aristokraten, Literaten und Industrielle – eine Mischung vorzüglicher Leute nach verschiedenen Richtungen – es werden mündliche Vorträge gehalten und darüber discutirt usw. Die Sache scheint [unleserlich] zu finden –

Der letzte (Alt-)Romantiker ist hier, Eichendorff – ein feiner, liebenswürdiger Ma_n.

Über Lenau’s Schicksal muß nun

 
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etwas entschieden werden, da er nicht fortwährend von seinem geringen Kapital zehren ka_n, und seine Wiedergenesung (we_n sie je erfolgen sollte) jedenfalls im weiten Felde steht. Doch darüber mündlich!

In Hoffnung, Dich bald zu sehen, und mit den ergebensten Grüßen an deine Frau

<Dein>
Bauernfeld.

17/1 47.

 
     
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