Brief von Eduard von Bauernfeld an Anastasius Grün
Wien, am 12. Dezember 1836
 
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[Poststempel "Wien"]
Se
des Herrn Alexander Grafen
v. Auersperg

Hochgeb<oren>
in
Thurmamhart.
über Cilli.

 
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Lieber Freund!

Deine Ankunft i_mer erwartend, hab’ ich dir bisher nicht geantwortet. Jetzt veranlaßt mich dazu der mitfolgende, von dem versoffenen Herloßson für Dich eingelangte Brief. – Bist du fleißig? Vermuthlich! Das ka_n man auch dort eher seyn als hier. We_n Du nicht ko_mst, so schreibe doch. Hier geht es sehr langweilig zu; kaum daß noch ein paar Freunde zusa_men halten. Doblhof, Schober <und> ich bilden die Gesellschaft. Das alte Haus ziht sich wie eine Schnecke zurück; die Mode-Zeitung, als Schleim dieser Schnecke, bezeugt seine Existenz. Herz ist ganz verschwestert; verheniksteint, verdalbergt [?] <und> verknöchelt. (Eine gewisse Mode-Gesellschaft knöchelt häufig bei ihm.) – Der arme Hönig [Henikstein] wird wohl dieser Tage sterben. Es ist grausam, so langsam <und> schmerzlich dahin zu schwinden! –

Mein Geständnis wegen der E_mi war nicht so ad verbum zu nehmen. – Marie, die öfters nach Dir fragt, hatte mit dem Grafen Franz kein langes Verhältniß, sondern sie ke_nt ihn nur seit Jahren. Er ist verliebt; von ihrer Seite scheint es ein mariage de raison.

Ni_m Vorlieb – ich bin schreibefaul.
Auf Wiedersehn oder Wiederhörn

<Dein>
Bauernfeld

Wien <den> 12. Dec. 1836.

 
     
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